Nintendo wandelt Zelda zu einem Open-World-Abenteuer um

Auf der weltgrößten Spielemesse, der E3 in Los Angeles, hat Nintendo gestern den neuesten Ableger der Zelda-Reihe präsentiert, The Legend of Zelda: Breath of the Wild.

Auf der Messe wurde ein dreiminütiger Trailer gezeigt, zudem hat Nintendo sieben Stunden lang (!) live von der Bühne der E3 gestreamt. In diesem „Nintendo Treehouse“ genannten Stream konnten die Zuschauer viele Eindrücke aus dem tatsächlichen Spiel erhalten.

Der Direktor der Spielereihe, Eiji Aonuma, hatte vor gut einem Jahr angekündigt, dass man mit der Serie in eine ganz andere Richtung gehen wolle und er hat Wort gehalten, wie es aussieht.

Link im Kampf ums Überleben

Link ist weiterhin der Held des Spiels, doch im Gegensatz zu vielen anderen Zelda-Spielen wächst er nicht gerade in Geborgenheit auf: Als er aus seinem 100-jährigen Schlaf aufwacht, findet er sich in einer Höhle wieder. Von da aus ist er zunächst komplett auf sich alleine gestellt.

In seiner neuen Welt kommt Link auf die Spuren des „Survivals“. Er muss sich durch die riesigen Welten bewegen, zunächst komplett ohne Ausrüstung, ohne Nahrung und ohne Hilfe. Unterwegs kann er dann Ausrüstung finden, allerdings funktioniert das nun anders:

Anstatt in großen, altertümlichen Tempeln einen Bogen zu finden, kann Link in Breath of the Wild schlicht einen feindlichen Bogenschützen ausschalten und ihm seinen Bogen stehlen. Der Bogen bleibt dabei lange nicht die einzige Waffe, die in der Welt gefunden werden kann: In der Demo konnten unter anderem auch Schwerter, Knüppel, Stöcke, Speere und weitere Waffen aufgesammelt und benutzt werden. Doch Vorsicht: All diese Waffen nutzen sich ab und selbst die Schwerter werden nach einiger Zeit der Benutzung kaputt gehen.

Auch sonst ist das Spiel ziemlich realistisch gehalten: Unser Held sucht sich sein Essen selber, indem er zum Beispiel Äpfel oder Eicheln von Bäumen pflückt, Pilze sammeln geht, Schmetterlinge fängt oder Tiere, die frei in der Natur herumlaufen, niederstreckt und deren Fleisch weiterverarbeitet. Das klingt ziemlich brutal, ist wohl aber an dem allgemeinen Realismus des Spiels angelehnt. Doch keine Sorge: Link kann sich auch vollständig vegetarisch ernähren.

Genauer gesagt kann Link nun, ähnlich wie in der Spielereihe Monster Hunter an vielen Stellen ein Lagerfeuer nutzen, um dort Essen und Tränke zuzubereiten. Tatsächlich stellt dies die einzige Möglichkeit zur Heilung im Spiel dar, denn Herzen wird der Spieler keine mehr herumliegend finden, weder in Töpfen noch im Gras versteckt.

Es gibt viel zu erkunden

Das neue Hyrule ist riesig. Die Entwickler bestätigten, dass die neue Welt mehr als zwölf mal so groß ist wie im Vorgängertitel The Legend of Zelda: Twilight Princess. Das wird schnell deutlich, wenn Link sich auf einen Aussichtspunkt stellt: Es besteht keine Möglichkeit, das Ende der Welt zu erspähen! Weiter wurde in der Demo auf der E3 ein recht großes Gebiet mit mehreren Abschnitten gezeigt, das aber auch in den mehreren Stunden Livestream nicht vollständig erkundet wurde und doch nur 2% der Gesamtfläche der Spielwelt ausmacht!

Hyrule wird durchzogen von beeindruckenden Landschaftszügen, unter anderem ragt ein Vulkan über die Landschaft, es locken eine Canyonlandschaft, eine große Schneelandschaft, viele Berge, weitläufige Schluchten und vieles mehr. Es wird auch Städte und Dörfer geben, doch diese wurden in der Demo nicht gezeigt, wohl um den Spielern nicht die Überraschung zu verderben.

Bevölkert wird die Welt zum einen von der vielfältigen Tierwelt, die von Ebern, über Rehe, Pferde, Reiher, bis hin zu Enten viel zu bieten hat. Zum anderen von feindlich gesinnten Völkern wie den Bokoblins. Diese haben ihre Lager überall in der Welt aufgeschlagen, nur darauf wartend, Link das Leben schwer zu machen.

Wer nun befürchtet, dass die Welt zwar groß sei, aber nicht viel zu bieten habe, dem sei gesagt: Es gibt über 100 kleine Dungeons, die in ganz Hyrule verteilt sind. In diesen wird Link mit kleineren Rätseln konfrontiert oder muss sich durch Gegnerhorden kämpfen – so wie er es in größeren Dungeons eben auch machen würde.

Außerdem tummeln sich auf der Oberwelt neben den vielen kleinen Gegnern auch ernst zu nehmende Bosse: Sollte Link am Anfang des Spiels den Kampf mit einem von ihnen aufnehmen, wird er voraussichtlich auch nur einen gegnerischen Hieb nicht überleben. In der Demo waren unter anderem die „Guardians“, im Deutschen etwa „Hüter“, zu sehen. Bei diesen handelt es sich wohl um Roboter aus vergangenen Zeiten, die Link aus einem unbekannten Grund feindlich gesonnen sind.

Über das Leben in einer realistischeren Welt

Apropos Sonne:

Hyrule wird in Breath of the Wild von einem realistischeren Wettersystem durchzogen sein. Zum einen wechselt das Wetter mal zu sonnig, mal zu regnerisch oder auch mal zu einem Gewitter, was dann wiederum Auswirkungen auf die Tierwelt oder die Gegner hat. Zum Beispiel werden die Eber oder Rehe bei einem Gewitter unruhiger und sich vermutlich einen Unterschlupf suchen.

Zum anderen wird es einen verbesserten Tag-Nacht-Zyklus geben. Ein Tag im Spiel entspricht 24 Minuten in unserer Welt. Die Tageszeit im Spiel hat tatsächlich auch einen Einfluss auf die Welt und seine Einwohner. Beispielsweise schlafen manche Gegner nachts ein, während sie ihr Lager aufgeschlagen haben. Das ermöglicht Link neue taktische Möglichkeiten.

Auch interessant: Selbst die Umgebungstemperatur wird einen Einfluss auf den Spielfluss haben. Wenn Link sich das nächste mal in die verschneiten Berge aufmacht, muss er sich entweder wärmer anziehen oder Tränke zu sich nehmen, die ihn von innen heraus wärmen! Ansonsten wird er ständig von der Kälte Schaden nehmen.

Durch das neue, realistischere Spielsystem, erwarten den Helden der Zeit nicht nur neue Herausforderungen, sondern auch neue Möglichkeiten.

Die größte neue Möglichkeit, die der „neue“ Link im Vergleich zu seinen Vorgängern nun beherrscht, ist das Klettern. Dabei spreche ich nicht von Bäumen oder Ränken, denn das war für die älteren Links auch kein Problem. Nein, der neue Link vermag nun sogar steile Felswände hochzukraxeln oder sich an Gebäudefassaden hochzuhangeln! Man bekommt ein wenig den Eindruck, dass Nintendo sich eine Scheibe von Assassins Creed abgeschnitten hat.

Die Amiibo im neuen Zelda

Link wird nicht mehr von einem Helfer begleitet werden, wie er es früher von Midna oder Navi gewohnt war. Dafür kann er sich allerdings Hilfe von Wolf-Link holen! Dafür muss der Spieler die Wolf-Link-Amiibo erwerben und sie auf dem GamePad einscannen. Auf diese Weise erscheint der Wolf im Spiel und steht Link bei seinen Abenteuern zur Seite. Doch Vorsicht: Auch Wolf-Link kann von Gegnern getroffen und sogar besiegt werden! Da er nur drei Herzen hat, sollte man gut Acht geben auf den flauschigen Gefährten.

Mindestens drei weitere Amiibo werden eigens für dieses Spiel entwickelt werden, verkündete Bill Trinnen von Nintendo of America zudem. Diese werden an sich eine kleine Innovation sein, da sie um einiges detailreicher als die bisher erschienen Amiibo sein werden!

Erfahrungsbericht eines YouTubers

Domtendo, ein auf Nintendo spezialisierter YouTuber, war live in Los Angeles auf der Messe und hatte bereits die Gelegenheit, Breath of the Wild anzutesten. Beim ersten Anspielen ist er zwar grundsätzlich angetan von dem neuen Spielprinzip, kommt jedoch nicht umhin, auch ein wenig Kritik zu üben:

Er sagt, dass die neue Welt zwar sehr schön sei, doch der Grafikstil auf einem großen Fernseher etwas „verwaschen“ rüberkomme. Er hat sich, wie wohl die meisten, einen realistischeren Grafikstil gewünscht.

Des Weiteren stört ihn, dass es keinen richtigen Soundtrack gebe, zumindest nicht in der Demo. Viel mehr höre man im Spiel nur Umgebungsgeräusche wie das Rauschen von Wind in den Bäumen, das Scharren von Tieren oder das Rauschen von Flüssen.

Ein kleines Fazit

Lange Zeit war so gut wie nichts bekannt über das neue Zelda für Nintendo WiiU und die neue Konsole, Codename „Nintendo NX“. Doch nun hat Nintendo in dem siebenstündigen Livestream wirklich einiges gezeigt und die Spieler überrascht mit dem neuartigen Spielprinzip.

Wir sind wirklich gespannt, wie sich die Neuerungen beim tatsächlichen Durchspielen einfügen werden und freuen uns auf die Gamescom im August, um selber berichten zu können.

Der Ralease ist geplant für den März 2017, wobei The Legend of Zelda: Breath of the Wild wohl gleichzeitig für WiiU und pünktlich zum Release der NX erscheinen wird.

Leonard Schuldt